Es ist an der Zeit: Michelsberg wird modern

„Lieber Silberbach,

Lange genug hast du dich durch Michelsberg geschlängelt, einfach nach Lust und Laune. Ab und zu ist es dir vielleicht gelungen, die Michelsberger mit ein bisschen Hochwasser zu erschrecken. Aber sonst ist aus dir ein langweiliger alter Geselle geworden, mal grün, mal grau, mal gelb, aber nie wirklich silbern. Zugegeben, früher soffen die Viecher dankbar dein Wasser, aber heute bis du zu kaum noch was nütze. Die Zeit ist aber nicht stehengeblieben, lieber Silberbach, und auch du musst dich endlich anpassen. Sei also froh, dass dein Dasein etwas Sinn bekommen hat durch moderne, sportliche Quad-Fahrer, die am vergangenen Sonntag so gnädig waren, ausgerechnet dich unscheinbares Bächlein für ihr exquisites Vergnügen auszuwählen.

Endlich Schluss mit dieser langweiligen Michelsberger Sonntagsruhe! Und deine sorgfältig angelegten Staustufen – sie wurden endlich sinnvoll genutzt und zu veritablen Sprungschanzen. Und dass manche nach drei, vier Sprüngen wegbrachen, zeigt doch nur, dass sie eh zu nichts mehr taugten. Selbst dein regenbraunes Wasser haben die tapferen Eroberer des Bachbetts geadelt und mit wundervollen Ringen in allen Regenbogenfarben verziert – das duftende Motoröl verleiht dir einen neuen, ja modernen Reiz. So einen großen, lieber Silberbach, dass du jetzt sogar in die Zeitung kommst!

Freu dich auf nächsten Sonntag, vielleicht geht’s dann wieder durch den Silberbach - und dann, whhhrrrrrroooooom, mit Vollgas rauf zur Burg. Die Mauer ist übrigens ein prima Oval, da lässt sich bestimmt was machen aus dem alten Gemäuer: Ein Circuit mit Steilkurven oder so!

Dein Anselm Roth (Text) und Michael Henning (Foto)             bewege die Maus über die Bilder!